Unsere Geschichte

Blicken Sie mit uns zurück auf nahezu 160 Jahre Musikgeschichte im Dorfleben von Elgersweier

 

Anfänge der Blasmusik in Elgersweier

Leider gibt es keine schriftlichen Zeugnisse von den Anfängen der Blasmusik in Elgersweier. Eine zuverlässig erscheinende mündliche Überlieferung, die vom Verein 1954 auch schon schriftlich fixiert wurde, berichtet davon, dass im Jahre 1864 im Hause des Anton Wernert eine kleine „Hauskapelle“ gegründet wurde, bei der seine beiden ältesten Söhne Franz und Alexander, ferner Thomas Lang, Friedrich Ruf und Benedikt Kaufmann mitwirkten. An Instrumenten besaß man eine Trompete, zwei Flügelhörner, Klarinette und Bass. Im bald darauffolgenden 70er Krieg gegen Frankreich diente Anton Wernert in einem Grenadierregiment als Musiker. Der Schwung und die Erfahrung, die er aus dieser Zeit mitbrachte, führte bald zu einer beträchtlichen Vergrößerung der „Hauskapelle“ und häufigeren öffentlichen Auftritten. Die Leitung der Kapelle ging dann auf Anton Wernerts gleichnamigen Sohn über, später auf Anton Decker, der dann die weitere Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus prägen sollte: Nach beiden Weltkriegen war er maßgeblich an der Wiederbelebung der Blasmusik in Elgersweier beteiligt. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bestand die Kapelle schließlich aus zwölf Mann. 

 

1924 - 1930

Gründungsjahre des Musikvereins

Vereinsgründung 1924

Als nach dem Ersten Weltkrieg mit der treibenden Kraf Anton Deckers die Musikkapelle neu zusammengestellt wurde, zeigte sich bald, dass die aktiven Musierkin jener von politischen Wirren und wirtschaftlicher Not geprägten Anfangszeit der Weimarer Republik die ihnen gestellten Aufgaben nicht länger allein erfüllen konnten; die Gründung eines Musikvereins sollte ihre Aktivitäten auf eine breitere Basis stellen. Am Schluss des Gründungsprotokolls heißt es: „Der Geburtstag des Vereins wurde auf den 1. Juni 1924 festgelegt“. Zum Ersten Vorstand wurde Silvester Kaufmann gewählt, der zusammen mit Anton Decker die Gründungsversammlung vom 29. Mai 1924 vorbereitet hatte. Der Vereinsbetrag wurde – auch für die Aktiven – auf 20 Pfennig im Monat festgesetzt.

Die ersten Jahre des neugegründeten Vereins fielen in die kurze wirtschaftliche Blütezeit der Weimarer Republik, die außenpolitisch geprägt war von der Aussöhnung mit dem „Erzfeind“ Frankreich und der vertraglichen Festlegung einer internationalen Friedenspolitik, bei der auch schon von einem vereinten Europa geträumt werden konnte. Entsprechend hoffnungsvoll war auch der Aufschwung des Vereins: Er hatte bald eine Mitgliederzahl von 200 erreicht und 1926, 1928 und 1929 wurde auf Preismusikfesten der Umgebung ein „1 a – Preis“ gewonnen (meist in Form eines Musikinstruments). Diese Leistungssteigerung ist wohl hauptsächlich ein Verdienst des Dirigenten und Hornisten Anton Decker, der im Hauptberuf Meister in einer Zigarrenfabrik war. 

 

1930 - 1938

Unruhige Jahre zwischen Wirtschaftskrise und 2. Weltkrieg

Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Die auffallende Parallele in der allgemeinen politisch-wirtschaftlichen und der speziellen Entwicklung des Elgersweirer Musikvereins setzt sich aber nun auch weiterhin fort. Ab 1930 fallen die Schatten der Weltwirtschaftskrise auf unser Land und bis 1932 steigt im Deutschen Reich die Zahl der Arbeitslosen auf 6 Millionen an – das heißt, dass mit den Familienangehörigen etwa 20 Millionen Menschen in hoffnungslose Not gerieten – bei 15 Mark Arbeitslosenunterstützung für eine siebenköpfige Familie in der Woche! In der In der Generalversammlung vom 19.01.1930 wurde deshalb vorgeschlagen: „Die einzelnen Vereine möchten ihre Gartenfeste der wirtschaftlichen Notlage wegen zu einem gemeinsamen zusammenlegen.“

 

1949 - 1964

Neuorientierung in den Nachkriegsjahren

Neugründung 1949

Der Zweite Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll auch von den aktiven Musikern der Elgersweierer Kapelle – neun von knapp dreißig Aktiven fielen, also ein Drittel. Als die ärgste Not des Jungerjahres 1947 und auch die schlimmsten Schikanen der Besatzungsmacht überstanden waren, fanden im Hause des Aktiven Alfons Kofler die ersten Proben mit den noch vorhandenen alten Instrumenten statt. Es hat wohl symbolische Bedeutung, dass der erste Auftritt der neu belebten Blasmusik in der Christmette des Jahres 1948 stattfand. Man kann sich vorstellen, dass dieser erste Auftritt in kirchlichen Rahmen nach so langer Zeit eine starke Wirkung gehabt hat. Im Januar 1949 wurde dann von der Militärbehörde die Neugründung des Musikvereins genehmigt, nachdem man genügend „unbelastete“ Gründungsmitglieder gefunden hatte. 

 

Probleme in den Nachkriegsjahren

Der wiederbegründete Verein hatte, wie dem Protokollbuch zu entnehmen ist, mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Eines war die Besetzung des Vorstandsposten, als der verdienstvolle Rudolf Lehman nach zwei Jahren aus zeitlichen Gründen sein Amt abgab. Es gelang, den schon in den 30er Jahren bewährten Karl Ruf wieder zu gewinnen, der das manchmal gefährdete Vereinsschiff bis in die 60er Jahre scher zu steuern verstand. 

Die dunklen Schatten der deutschen Vergangenheit belasteten offensichtlich den inneren Zusammenhalt der Kapelle. Am 7.1.1951 „soll aber nochmals an die Einigkeit der Musiker appelliert werden“. Drei Jahre später wurde die Jugend kritisiert: „Die Haltung und Höflichkeit den alten Musikern gegenüber lässt zu wünschen übrig.“ Am 16. Oktober 1954 musste nach einem Zwischenfall eine gemeinsame Sitzung mit Vorstandschaft und Musikern einberufen werden. Es war zu befürchten, dass die Kapelle auseinanderfalle. Vorstand Ruf gab der Hoffnung Ausdruck, dass in Zukunft solche Vorfälle unterbleiben mögen, da sonst die Musik sowie für den Verein kein Weiterkommen möglich ist“. Es war deshalb ein ausdrückliches Ziel des 30-jährigen Vereinsjubiläums in diesem Jahr, der Kapelle den inneren Frieden wieder zurückzubringen. „Das Fest soll auch der Versöhnung dienen. Es wurde gefordert, dass die Musik wieder werde, was sie einst war.“ (14. Februar 1954)

 

Höhen und Tiefen

Ein weiteres Problem stellte die Besetzung des Dirigentenpostens dar, nachdem der Altdirigent Decker sich für den Anfang noch einmal zur Verfügung gestellt hatte. Mit seinem Nachfolger war die Kapelle unzufrieden und der Probenbesuch war schlecht.

So kam man auf Adolf Walz zurück, der bis zu seiner Erkrankung kurz vor dem Jubiläum 1954 den Verein musikalisch wieder auf die Höhe brachte. Sein Nachfolger, der Offenburger Franz Geiger, konnte mit der Kapelle im darauffolgenden Jahr schon wieder die Note „sehr gut“ bei einem Wertungsspiel erringen. Im gleichen Jahr gab es aber auch Differenzen wegen der Bezahlung. Unser bisheriger Dirigent hält keine Proben mehr ab unter 8 DM. Finanziell ist der Verein dazu fast nicht in der Lage. Aus unseren eigenen Reihen haben wir keinen geeigneten Mann und unter 8 DM bekommen wir auch keinen anderen.“ (30. Oktober 1955). Dem Nachfolger mussten dann aber wohl oder übel gleich 10 DM bezahlt werden!

Mit der Rückkehr Geigers im Jahre 1959 war dann endlich das Dirigentenproblem zur Zufriedenheit gelöst. Allerdings musste auch weiterhin „ein großer Teil der Jahreseinnahmen für die Bezahlung des Dirigenten“ aufgewendet werden (7. März 1959).

 

Musik im Dorfleben der Nachkriegszeit

Inzwischen hatte der Verein im Dorfleben wieder seine angestammte Rolle übernommen, was in den Nachkriegsjahren sicher besonders wichtig war. Im Juni 1952 führte man ein gemeinsames Gartenfest mit dem Gesangverein durch. „Es sollte ein Fest der Dorfgemeinschaft sein und ein solches ist es auch tatsächlich gewesen“. Die Kapelle spielte am Ostermontag ein Konzert vor dem Rathaus, an Fronleichnam eines in der Brauerei Lott. Dann folgten das Gartenfest und ein „Ausflug“ zu einem Musikfest in der näheren Umgebung. Neu war, dass man unter der Regie des Vorstandsmitgliedes Wille Weber begann, zu der Weihnachtsfeier ein Theaterstück einzustudieren. Die Weihanchtsfeier war ein voller Erfolg. An beiden Feiertagen war das Lokal Stigler voll besetzt. Die Aufführung der Musikstücke sowie das Theaterstück „Als er wiederkam“ fanden reichlich Beifall.“ (11. Januar 1952)

 

100-jähriges Jubiläum 1964

Als man dann 1964 daranging, das 100-jährige Jubiläum zu feiern, konnte man mit Stolz auf die geleistete Wiederaufbauarbeit zurückblicken – wie das Land als Ganzes auch. Man feierte drei Tage lang vom 11.-13. Juli 1964: Ein Festbankett am Samstagabend, ein Festgottesdienst am Sonntagmorgen und das Konzert der 13 Gastkapellen am Nachmittag und eine Tanzveranstaltung am Sonntag- und Montagabend. Die Festtage riefen die Erinnerung an die besten Tage der Vorkriegszeit zurück und wurden zu einer gelungenen Selbstdarstellung des Musikvereins und der volksnahen Blasmusik überhaupt.

1964 - 1982

Musikerfamilie unter Rudi Jockers

Aufbruchstimmung in neue Ära

Der Zufall wollte es, dass nach dem 100-jährigen Jubiläum fast gleichzeitig Veränderungen von grundsätzlicher Bedeutung im Verein eintraten. Karl Ruf, der schon vor dem Fest erkrankt war, musste am 14. Februar 1965 sein Amt als 1. Vorstand aufgeben. Er wurde aufgrund seiner langjährigen Verdienste zum Ehrendvorsitzenden ernannt. Als Nachfolger wurde Hermann Vogt gewählt, der dann 1971 vom heutigen Ehrenvorsitzenden Leo Kitiratschky abgelöst wurde. 

 

Neue Dynamik mit Rudi Jockers

Im August 1966 stellte dann Dirigent Franz Geiger „ohne zwingende Gründe“ sein Amt zur Verfügung. Und was zunächst nach einer „Notlösung aus den eigenen Reihen“ aussah, erwies sich als außerordentlicher Glücksfall für den Musikverein. Er zeigt, dass idealistischer selbstloser Einsatz im Vereinsleben im wahrsten Sinne des Wortes „unbezahlbar“ ist. „Neue Dynamik mit Rudi Jockers“ – so lautete die entsprechende Überschrift in der Festschrift von 1974. Zur Erinnerung an seine Leistungen soll im Folgenden aus der Rede zitiert werden, die unser damaliger Vorsitzender Stefan Nosko bei der Beerdigung von Rudi Jockers im Jahre 1983 gehalten hat: 

 

Wirken von Rudi Jokers

„Rudolf Jockers trat bereits 1949 der Kapelle bei und war einer der Jüngsten, die damals mithalfen, die Elgersweirer Musik aus den Trümmern des Krieges wieder aufzurichten. Ohne besondere Ausbildung, als reiner Autodidakt, mit viel Fleiß und großem musikalischen Talent erlernte er eine Vielzahl von Instrumenten und half überall, wo es fehlte, in der Kapelle aus. Beriets in den 50er Jahren spielte er auch als erster Elgersweirer in der Stadtkapelle Offenburg mit. Auf Bitten und Drängen seiner Musikerkameraden und ohne Vorbereitung übernahm er 1966 das schwere Amt des Dirigenten.

Mit dem für ihn typischen Verantwortungsgefühl und großer Schaffensfreude ging er sogleich an seine Aufgabe, aus der kleinen und überalterten Dorfkapelle einen ansehnlichen Klangkörper zu bilden. Unter seiner Stabführung begann ein stetiger Aufstieg. Bereits 1970 erhielt die Kapelle die Pro-musica-Plakette des Landkreises verliehen. Beid en Musikwettbewerben des Verbandes gewannen unsere Musiker eine Vielzahl von Preisen und Anerkennungen.

Der Aufstieg der Kapelle, ihr stattliches Klangvolumen und ihr Können waren jedoch nur möglich durch die Ausbildung vieler neuer Musiker. Nach der Übernahme des Dirigentenamtes begann Rudi Jockers sogleich mit verstärkter Ausbildung von Zöglingen. 1979 konnte schon eine dritte Jugendkapelle ins Leben gerufen werden. Hierbei trug der Dirigent die Hauptlast der Einzelausbildung, später unterstützt von seinen drei Söhnen. Hinter der Ausbildung standen unzählige Überstunden, viele Entbehrungen und sicher auch viele Enttäuschungen. Aber sein Arbeitseifer und seine Begeisterung rissen damals alle mit. Sein Einfühlungsvermögen und sein großes Verständnis für Jugendliche führten dazu, dass die meisten Musiker heute in ihm nicht ihren ehemaligen Dirigenten und Ausbilder sehen, sondern ihn als echten Kameraden und väterlicher Freund betrachteten.

Ein weiteres Feld seines Wirkens sollte nicht unerwähnt belieben. Seiner Initiative und seinen Ideen verdanken wir heute vieles, was inzwischen im Verein Tradition geworden ist. Die Tanzkapelle „Mukael“, die Altmaterialsammlungen und die Kinderfasnet gehen ebenso auf ihn zurück wie die jährlichen schönen Weihnachtswunschkonzerte und anderes mehr. 

Dem Verstorbenen werden wir aber nicht gerecht, wenn wir ihn nicht auch als Mensch zeigten. Trotz seiner immensen Arbeitsleistung und seiner stets knappen Zeit fand er immer wieder Gelegenheit, auch Musikkamerad zu sein. Wir erinnern uns an viele schöne Stunden mit ihm, sei es nach den Proben, Konzerten oder bei ihm zu Hause. Er zeigte uns mit seinem Beispiel und prägte, was wir heute als „Musikerfamilie“ verstehen.”

Stefan Nosko (1. Vorstand 1983)

1983 - 1989

Wilden Achtziger mit Franz Kasper

Staffelübergabe an Franz Kasper

Im Jahre 1982 übernahm ich von Herrn Jockers ein junges, aber sehr entwicklungsfähiges Orchester. Während der Arbiet mit dem Orchester ergaben sich innerhalb der ersten Monate zwei wesentliche Schwerpunkte für die Zukunft: 

  1. Konsequenter Einbau von Elektronik und anderem Instrumentarium für moderne Musik zur Motivation der jugendlichen Instrumentalisten bei gleichzeitiger qualitativer Förderung der konzertanten und traditionellen Blasmusik

  2. Zahlenmäßiger Ausbau des Orchester urch eine intensive Werbung sowie gezielte Ausbildung des musikalischen Nachwuchses. 

 

Moderner Sound für die Blasmusik

Aus diesen beiden Zielangaben ergaben sich dann folgende konkrete Schritte: Im Laufe der Zeit wurde ein kompletter Saxophonsatz mit zwei Alt-, drei Tenor-, einem Bariton- und einem Sopransaxophon ausgerichtet, ferner wurden in den Klangkörper konsequent bass- und Rhythmusgitarre, Keyboard, kombiniertes Schlagzeug, Congas, Bongos und weitere Rhythmusinstrumente einbezogen.

Dieses Instrumentarium war notwendig, um der Literatur mit all den vielfältigen Elementen heutiger Musik gerecht zu werden und somit in verstärktem Maße die Jugend anzusprechen und diese zu einem aktiven Musizieren im Orchester zu motivieren. 

Bei sämtlichen Überlegungen und Ausführungen standen für mich in erster Linie die Musiker im Vordergrund, denn ihnen sollte das Musizieren Spaß machen, sie sollten sich mit unserer Musik identifizieren und vor allem für sich und erst in zweiter Linie für das Publikum Musik machen.

 

Jugendarbeit als Erfolgsrezept

Mein zweites wichtiges Ziel lag in einer intensiven Nachwuchsarbeit, ohne die es nie möglich gewesen wäre, das Orchester zum heutigen Leistungsstand zu führen und zu halten. 

Durch eine instrumentenspezifische Arbeitsteilung war es uns möglich, allen Kindern, die ein Instrument erlernen wollten, nach ca. ½ - 1 Jahr Theorieunterricht auf dem ausgewählten Instrument Einzelunterricht durch qualifizierte Holz- bzw. Blechbläser oder Schlagzeuger zu erteilen. Das Spiel in Bläsergruppen oder einer Jugendkapelle rundete die Ausbildung ab und war Übergangsstation zur Gesamtkapelle. Heute sind wir außerdem in der glücklichen Lage, durch Zusammenarbeit mit der Musikschule Offenburg begabten Kindern eine günstige weiterführende Ausbildung am Musikinstrument zu ermöglichen. 

Unsere konsequente Jugendarbeit hat dazu geführt, dass Elgersweier heute eine sehr junge, vor allem aber auch gute Kapelle mit einem Altersschnitt von 22/23 Jahren besitzt, der bei konstanter Weiterentwicklung und entsprechendem Zusammenhalt die Zukunft gehören wird.